Von unseren Gästen im fortgeschrittenen Lebensalter schwört ein Großteil noch immer auf „Teddy Boy“, ihr gutes altes Kofferradio, wenn es um Unterhaltung und Information geht. Dazu digital gebildete junge Akteure der audio-visuellen Projektbeteiligung im KulturBahnhof. Beide Akteurs-Gruppen teilen sich Ideen und Erlebnisse in gemeinsamer ländlicher Region – sie stehen in einem kurzweiligen Kultur-Dialog „neulich auf dem Land“.
Intergenerationelle Zusammenarbeit: Der dazugehörende Podcast wird in weiten Teilen online und terrestrisch über Teddy Boy und Smartphone gehört – eng beieinander, als gäbe es keine Alters- und Technologie-Unterschiede. Dieser Einstieg beschreibt nur einen Aspekt der beantragten Maßnahme zum Thema „Einsamkeit“. Tiefergreifend geht es um die Balance unterschiedlicher Ansprüche und Lebenswelten mit erheblichem Konfliktpotenzial für die Gemeinschaft. Belastet ist sie, denn aktive wie gefühlte Ausgrenzung schafft Einsamkeit. Das Projekt reagiert auf zunehmende Einsamkeit im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins. Unterschiedliche Generationen und soziale Gruppen – Senior:innen, Jugendliche, Menschen mit Fluchterfahrung und Teilnehmende aus Inklusion und kultureller Bildung – arbeiten gemeinsam in vier offenen, niedrigschwelligen Projektgruppen. In einem strukturierten, partizipativen Prozess entwickeln bis zu 100 aktiv Mitwirkende eigene Medienbeiträge: ca. 10 Podcast-Folgen („HörBar“), 8–12 Kurzfilmclips, virtuelle Welten („ProjektKino“) und eine Sammlung persönlicher Texte („ProjektBibliothek“). Soziale Teilhabe verbindet sich mit kultureller Produktion. Zentral ist die intergenerationelle Zusammenarbeit: analoge Medienerfahrung (z. B. klassische Radioformate) trifft auf digitale Produktionsformen (Podcast, Video, Online-Plattform). Begleitet wird der Prozess durch wöchentlich moderierte Treffen mit technischer und künstlerischer Anleitung - ein übertragbares Modell für intergenerationelle Medienarbeit gegen Einsamkeit im ländlichen Raum. Die Ergebnisse sind öffentlich präsentiert.
Projektort ist eine strukturschwache Region Schleswig-Holsteins mit eingeschränkter Mobilität und sozialer Infrastruktur. Einsamkeit zeigt sich hier sowohl als subjektives Gefühl als auch als strukturelles Problem fehlender sozialer Teilhabe. Das Projekt untersucht die Differenz zwischen gewünschten und tatsächlichen sozialen Beziehungen und bearbeitet Einsamkeit als gesellschaftspolitisches Thema. Ziel ist es, neue Formen von Gemeinschaft und Teilhabe im ländlichen Raum exemplarisch zu erproben und sichtbar zu machen.
Im Projektalltag zeigt sich zunehmend, dass sich Menschen unterschiedlicher Generationen sozial ausgeschlossen fühlen. Besonders im ländlichen Raum verstärken strukturelle Faktoren wie eingeschränkte Mobilität, fehlende Begegnungsräume und soziale Ungleichheit diese Entwicklung. Einsamkeit ist dabei nicht nur ein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem mit wachsender politischer Relevanz. Bestehende Angebote erreichen viele Betroffene nicht oder nur unzureichend. Unübersehbar zudem die Opfer von Mobbing. Nicht mehr dazu zu gehören, so die Selbstwahrnehmung der Betroffenen. Das Projekt setzt genau hier an: Es schafft niedrigschwellige, aktivierende Formate, die Menschen nicht nur ansprechen, sondern aktiv einbinden. Durch die Verbindung kultureller Produktion mit sozialer Teilhabe entstehen neue Zugänge zu Gemeinschaft und Austausch. Die Motivation speist sich aus konkreten Erfahrungen vor Ort, in denen Isolation, Rückzug und fehlende Teilhabe sichtbar werden. Das Projekt versteht sich als soziokultureller Beitrag, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.
Während Einsamkeit das
subjektive Gefühl beschreibt, ist „alleine sein“ ein objektiv sichtbarer Zustand. Beides tritt zwar häufig zusammen auf, ist aber nicht notwendigerweise miteinander verknüpft. Die
beantrage Maßnahme bietet Gelegenheit, spielerisch herauszufiltern, wodurch es Diskrepanzen gibt zwischen gewünschten und tatsächlichen sozialen Beziehungen. Ziel des Projektes ist es, neue Formen sozialer Teilhabe im ländlichen Raum zu entwickeln und Einsamkeit aktiv
entgegenzuwirken. Konkret sollen:
– neue soziale Netzwerke entstehen
– intergenerationelle
Zusammenarbeit gestärkt werden
– Teilnehmende in ihrer sozialen Handlungskompetenz gestärkt werden
Dabei sind messbare Ergebnisse:
– ca. 100 aktiv Beteiligte
– mindestens 20 Medienprodukte
– öffentliche Präsentationen
– nachhaltige Nutzung der entwickelten Formate
Modellhaft ist das Projekt, weil es ein übertragbares Konzept intergenerationeller Medienarbeit entwickelt, das soziale Teilhabe und kulturelle Produktion verbindet. Langfristig können stabile Gruppen und neue Gemeinschaftsstrukturen entstehen, die über die Projektlaufzeit hinaus wirken und zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts beitragen.