Hörspeel op Platt ut de Auguste-Viktoria-School in Itzehoe

Wenn  lütte Kinder in der Pause „schnack nich“ antworten, oder plietsche Freunde um die Hausaufgaben bitten, stecken nicht mehr nur plattdeutsch sprechende Eltern dahinter. Viele Wörter haben sich bereits in die Alltagssprache eingeschlichen. Eine Bereicherung für die Sprachfähigkeit und das Verständnis für den Dialekt der Großeltern bringt Kinder und Jugendliche wieder näher an die Ursprünge ihrer eigenen Geschichte. Mit ganz viel Spaß und großem Engagement lernen sie jetzt in der Schule Plattdüütsch wie eine Fremdsprache, anders als die Eltern und Großeltern, die es abgeschüttelt haben, um mit Hochdeutsch ihre Bildung auszudrücken. Die Kinder lieben es. Um so begeisterter waren sie auch bei der Aufgabe, ein Theaterstück von der renommierten Autorin Martin Krohm in ein Hörspiel umzuwandeln und op platt einzusprechen. „Die Bürgschaft“ ist ein Beitrag zum Erhalt der vom Aussterben bedrohten niederdeutschen Sprache und sucht seine Fortsetzung.

Plattdeutsch - schön und aussagekräftig

Fabi, Leezaa, Clair und Celin von der Auguste Viktoria Schule in Itzehoe haben mit ihrer Lehrerin Maike Kühl einen Text erarbeitet - einen plattdeutschen Text. Im KulturBahnhof wurde dann fleißig geprobt und szenisch für ein Hörspiel eingesprochen.  Die jungen Akteure beschäftigten sich hier mit einer textlichen Spielvorlage "De Bürgschaft" von Martina Krohm, der vielfach ausgezeichneten Autorin niederdeutscher Sprache. Herzlichen Dank von uns allen an die Autorin, die ihren Text für dieses Vorhaben sofort zur Verfügung stellte. Die für dieses Hörspiel erarbeiteten Textbausteine sind in verteilten Rollen im KulturBahnhof Viktoria eingesprochen worden - alles op Platt und einer nach dem anderen - selbstverständlich unter  Einhaltung der Corona-Hygieneauflagen. Wir nehmen dieses tolle Gemeinschaftserlebnis einer Hörspielproduktion auf Platt mit den jungen Akteuren aus dem 6. Jahrgang der Auguste Viktoria Schule in Itzehoe zum Anlass, kurz über die Bedeutung und aktuellen Einbindung der niederdeutschen Sprache an den Schulen in Schleswig-Holstein zu sprechen.

Niederdeutsch ist ein wichtiges Kulturgut. Früher war Plattdeutsch ganz groß in Schleswig-Holstein. Amtsleute, Bauern, Händler – fast alle sprachen und schrieben es. Dann wurde Hochdeutsch die Amtssprache, und man dachte mehr und mehr, Plattdeutsch sei nicht mehr gut genug. Man dachte sogar, Kinder würden es schwer haben, Hochdeutsch zu lernen, wenn sie auch noch Plattdeutsch lernten. Heute wissen wir, dass das Gegenteil der Fall ist: Wenn Kinder mit mehreren Sprachen aufwachsen, fällt es ihnen in der Regel leichter, weitere Sprachen zu lernen. Plattdeutsch ist schön und aussagekräftig. Viele Menschen haben inzwischen den Wert des Plattdeutschen erkannt. Aber die Weitergabe des Plattdeutschen als Muttersprache ist in den Elternhäusern inzwischen fast völlig abgerissen. So hat die Sprache rapide an Bedeutung verloren und ist inzwischen sogar vom Aussterben bedroht. Heute  wird die Schule als der Ort angesehen, an dem die Sprache erhalten werden kann. Niederdeutsch wird erst seit wenigen Jahren als Schulfach unterrichtet.

Der Europarat hat 1992 die Sprachencharta zum Erhalt der regionalen und Minderheitensprachen gezeichnet, in Schleswig-Holstein ist sie inzwischen auch ratifiziert und Teil der Verfassung. Das Bildungsministerium hat ein besonderes Projekt auf den Weg gebracht, damit Schülerinnen und Schüler von Anfang an die Regionalsprache des Nordens lernen können. Was im Schuljahr 2014/15 in Schleswig-Holstein mit 27 Grundschulen begann, hat sich längst zu einem erfolgreichen Modell-Projekt für Schleswig-Holstein entwickelt: Inzwischen gibt es ein freiwilliges Niederdeutsch-Angebot an 33 Grundschulen und neun Sekundarstufe-I-Modellschulen.  Die Schülerinnen und Schüler an den Grundschulen erhalten je zwei Unterrichtsstunden Niederdeutsch in den Jahrgangsstufen 1 bis 4. An den weiterführenden Schulen wird in den Jahrgangsstufen 5 und 6 jeweils zwei Stunden Niederdeutsch unterrichtet. Insgesamt können so an die 3.000 Schülerinnen und Schüler erreicht werden. Seit dem Schuljahr 2017/18 ist die Auguste-Viktoria-Schule mit Ihrer Fachlehrerin Maike Kühl Modellschule für Niederdeutsch. Der Unterricht wird einmal in der Woche gegeben und ist freiwillig. Gelernt wird die niederdeutsche Sprache, indem ganz klassisch Texte gelesen und Vokabeln geübt werden - es werden aber auch Spiele gespielt oder Texte zu einem Theaterstück umgeschrieben. Auch für die Umsetzung weiterer Ideen gibt es genügend Raum, den die Teilnehmer selbst ausfüllen können.

De Bürgschaft

- ein Hörspiel aus dem 6. Jahrgang der Plattdeutsch-AG an der Auguste Viktoria Schule in Itzehoe. Grundlage ist der Text "De Bürgschaft" der Autorin Martina Krohm aus Glücksburg. Die Produktion wurde eingesprochen und bearbeitet im K9-KulturBahnhof Viktoria in Itzehoe. Die Hauptakteure sind Leezaa Waage, Fabi Lange, Claire Imuetinyan und Celin Ritterhaus. Die Werkbearbeitung und pädagogische Leitung hatte Maike Kühl. - Viel Vergnügen!

Zeichnung: Norbert Pralow
Zeichnung: Norbert Pralow

Szene 1 Klassenruum

 

 (Jens kummt in de letzte Moment na de Klass rinrennt un sett sik dal.

Fru Waage kummt un stellt sik an dat Pult. De Kinner stahn op.)

 

Fru Waage: Moin Kinner!

Kinner: Moin, Fru Waage!

Fru Waage: Jens, du muss ja noch de Stroph ut de Bürgschaft opseggen.

(Jens steit op un seggt de 18. Stroph vun de Bürgschaft op:)

 

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,

Und sieht das Kreuz schon erhöhet,

Das die Menge gaffend umstehet;

An dem Seile schon zieht man den Freund empor,

da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:

„Mich, Henker!“, ruft er, „erwürget!

Da bin ich, für den er gebürget“

 

(Fru Waage hett de Nees vull)

Zeichnung: Norbert Pralow

Szene 2:         Twee dag lader dröppt de Lehrerin Fru Lange

 

(Dat kloppt an de Döör.)

Fru Waage: Kommen Se man rin!

Fru Lange: Goden Dag, Fru Waage!

(Fru Waage steiht op un geiht na de Döör un gifft Fru Lange de Hand.)

 

Fru Waage: Goden Dag, Fru Lange! Setten Se sik doch dal!

(Fru Lange sett sik hen un seggt:)

Fru Lange: Se wullen mol mit mi snacken?

Fru Waage: Ja, dat wull ik geern.

Fru Lange: Dat is jo interessant. Wat is denn los??

Fru Waage: Dat geit dorüm, dat Jens ümmer sien Schoolarbeiden vergitt un ümmer to laat kümmt.

Fru Lange: Dat kann gor nich angahn, he kummt doch na mi. Dor hett he mi ok ni wat vun vertellt.

Awers, naja, wenn he na mi kummt, kann dat egentlich doch angahn. Ja, un nu?

Fru Waage: Ja, dat weet ik ok nich. Ik geff ja ümmer wat op, wenn de Kinner laat sünd oder wat vergeten.

Awers, he is nu all bi de achteinste Stroph vun de Bürgschaft un dor sünd ja denn man blots noch twee, de wat he lehren kann. Se mööt mal een ganz ernste Wort mit em snacken oder sik dorneben setten, wenn he sien Schularbeiden maakt.

 

Fru Lange: Mi dorneben setten, dat kann ik nich. Denn fangt he ümmer an to diskuteeren. Un ik weer ok in de School nich goot un sien Schrift kann ik ok nich lesen.

Denn neem ik lewer dat mit dat ernste Woort.

Fru Waage: Ja, is goot, dat doon Se man.

Fru Lange: Op Wiedersehn!

Zeichnung: Norbert Pralow

Szene 3:         Klassenruum

 

(Na dat ernste Woort mit sien Mudder keem Jens söss Weken lang ümmer to rechter

Tiet un harr ok ümmer sein Opgaven maakt. Bet to düssen Dingsdag.

He keem al wedder to laat, flog quasi in de Klass rin un sett sik ganz ut de Puust mit en

hoochrode Gesicht neven Peter.)

 

Fru Waage: Jens!

Jens: Ja, Fru Waage!

Fru Waage: Een Stroph mehr!

Jens: Ja, Fru Waage!

Fru Waage: Hest du denn wenigstens de Opsatz schreven?

Jens: Ja, heff ik.

Fru Waage: Denn kannst du glieks dien Opsatz ruthalen un uns vörlesen.

Jens: Nee, Fru Waage, dat geiht nich.

(De Lehrersch is baff, se weet nich, watt se vun soveel Frechheit holen schall!)

Fru Waage: Un worüm geiht dat nich?

Jens: Uns Hund hett mien Heft klaut un is dormit afhaut. Ik heff hüüt Morgen överall in' Huus söcht, awers ik heff dat Heft nich funnen. Un in'n Kohstall nakieken harr ik keen Tiet mehr.

(Nu wart dat de Lehrersch to bunt, se is op hunnertachtig.)

Zeichnung: Norbert Pralow

Fru Waage: Jens, dat is de öllste un dusseligste Utreed, de ik kenn. Dat gifft een Indrag un ik schall woll wedder mit dien Mudder snacken

Jens: Bidde! Bidde! Wenn ik noch mal na Huus gah, denn kunn ik dat Heft uk finnen un Se wiesen.

Fru Waage: Du weetst, dat ik di nich na Huus gahn laten kann?!

Peter: Awers Fru Waage, nu laat se em doch, wat kann denn so schlimm dorbi sien?

(Fru Waage holt deep Luft un överleggt.)

Fru Waage: Wenn du meenst, Peter, awers wenn he ohn dat Heft torüch kümmt oder nich tiedig to de letzte Paus, denn krigst du den Indrag in't Book un dörvst bet neegste Week de Bürgschaft utwennich lehren. Wenn he dat schafft, bruukt ji beide een Week keen Opgaven maken.

(Un so leet se Jens na Huus lopen.)

 

Bimmeln

(In de School geiht dat nu wieder, bi jedes Bimmeln awers verfehrt Peter sik bannich,

denn de letzte Stünn kümmt immer neger)

(Jens is intwischen tohuus in de Köök. He hoolt Haferflocken ut de Kökenschapp.

He nimmt Melk ut de Köhlschrank. He treggt een Schöttel ut de Kökenschapp.

He kippt de Haferflocken in de Schöttel, he kippt Melk dorto un röhrt dat um.

He holt sien Heft un schrivt. He lett de Hund an dat Heft trecken.

Denn nimmt he en Plastiktut und kippt de Haferflocken mit Melk dorin, dorna stickt he dat Heft dor rin und geiht wedder to School.

Zeichnung: Norbert Pralow

Szene 4:         Klassenruum

 

Bimmeln

Fru Waage schrivt een Reknung an de Tofel. )

(Bi jedes Bimmeln vun de Schoolglock schreck Peter tosammen)

Fru Waage: Peter, wat meenst du? Wat kümmt dor rut?

Peter: Äh, wo?

Frau Waage: Na, bi de Reknung!

Peter: Och, bi de Reknung, de Reknung vun de Tofel?

Fru Waage: War vun Reknung denn sunst?

Peter: Äh, äh tweehunnertdreeuntwindich.

(Intwischen sit Peter op hidde Köhlen. Jens is sien beste Fründ, awers de Geschicht mit den olen Köter Hasso denn doch weer meist een beten dünn.)

 

Bimmeln, Kinner lopen rut)

(Fru Waage amüseert sik, se gloovt, dat Peter so schlecht oppassen kann, weil he de Geschicht mit de Hund uk nich so recht glövt.

 

 

Zeichnung: Norbert Pralow

Frau Waage: Weetst du wat, Maren, Jens ut mien Klass holt gerode sien Heft vun tohuus, dat hett de Hund wegsleept, hett he seggt, dorüm kunn he dat hütt morgen nich finnen un nich vörwiesen. Hest al mol so en narschen Kram hört?

 

Frau Petersen: Ja, ja, wat de Gören sik ümmer utdenkt… Un denn kriggt man se doch fat.

 

Bimmeln

(de Kinner kamen wedder rin un seten sik dal)

Fru Waage: So, nu wüllt wi lesen. Slat mol de Böker op Siet fief op.

(De Kinner slahen de Böker op.)

Frau Waage: Peter… Peter, du büst an de Reech. Wo büst du blots mit dien Gedanken hüüt?

Peter: Oh, dat deiht mi leed...

Fru Waage: So, Peter, dat is jetzt blots noch een Minut. Du kannst di a mol op dat Utwennichlehren instellen.

Zeichnung: Norbert Pralow

Szene 5          Klassenruum

 

(Dat kloppt an de Döör.)

Fru Waage: Herein!

Jens: Ik heff dat funnen

(Jens schmitt een Plastiktut op den Disch un sett sik dal.)

(Fru Waage holt Gummihannschen ut dat Pult,  kiekt pikeert un grippt in de Plastiktut.)

 

Fru Waage: Tatsächlich, hier is dat Heft. Awers dat is jo in een schreckliche Tostand. Wo hest du dat denn doch blots funnen?

Jens: As ik dache: Dat weer in de Swienstall, dor harr unsen Köter dat henslept.

Frau Waage: Tatsächlich, de Tän vun de Hund sünd hier wesen. Ja, un wo in de Stall hest dat funnen?

Jens: Naja, dat süht man doch, in dat Swienfutter.

Fru Waage: Na, denn will ik mol sehen, op de Opsatz ok dor is.

(Se bläddert in dat Heft. )

Fru Waage: Tatsächlich, hier is de Opsatz, beeten kott, awers dor.

Naja, denn hebbt ji beiden jo noch mal Glück hatt.

 

Zeichnung: Norbert Pralow
De Bürgschaft - Hörspeel op Platt ut de AVS/Itzehoe
Dat Hörspeel "De Bürgschaft" .mp3
MP3-Audiodatei [11.5 MB]
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