VivaMente ! StopMotion

Schnitt für Schnitt bewegte Welten

Bilder lernen Laufen, und das gleich 12 mal pro Sekunde und alles für eine gestaltete Wirklichkeit - VivaMente!StopMotion  ist ein integratives und inklusives Kulturprojekt der Medienkunst und schließt nahtlos an Gelbe Musik + Blaue Monde aus der ersten Programmphase an. Die Inhalte sind andere. Die Akteure gestalten ihre ganz alltägliche Lebensumgebung künstlerisch und medial neu. Jetzt erproben sich die Akteure in cineastischen Gestaltungsprozessen - in ihren eigenen wie auch gemeinsamen und immer phantastischen Trickfilmen aus dem wirklichen Leben.

Unser Regisseur Laurin

VivaMente! schließt an das Projekt Gelbe Musik + Blaue Monde aus der ersten Programmphase an - mit anderen Inhalten. Es handelt sich um eine Fortführung der bereits erzielten Ergebnisse aus Idee und künstlerischer Umsetzung integrativer und inklusiver kultureller Bildung aus dem Vorjahr. Freilich in anderen Formen und künstlerischen Gestaltungswegen. Die Einbindung in die Radioarbeit bleibt bestehen. Die Akteure beschäftigen sich mit ganz normalen Themen wie Schule, Mode, Werbung u.v.a. -  entwerfen damit in der Reflexion ein eigenes und vielleicht auch anderes Selbstbildnis. Alles wird gefilmt, dazu kleine Stories, die als Trickfilm umgesetzt werden. Es geht um die künstlerische Umsetzung von alltäglichen Eindrücken. Einmal ausbrechen aus dem reglementierten Alltag. Alles  ist erlaubt, alles ist in Bewegung. Hier wird es auch kritisch, wenn wieder einmal der MainStream unsere Akteure einzuholen droht. Und ganz großartig wäre es, wenn Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem zurückliegenden GMBM-Projekt in die Folgeprojekte einfließen. In der Tat unterscheidet sich das Folgeprojekt durch den kreativen Prozess der Gestaltung von realen und fiktiven Wirklichkeiten. Gegenstand sind cineastische Transformationen: Schnitt für Schnitt entwickelte Welten, angehaltene Situationen: StopMotion! Trickfilm als öffentliche Darlegung phantastischer Einfälle - alles aus der besonderen Perspektive der Akteure in wirklich gelebter Integration und Inklusion. Das Projekt steht den Teilnehmern aus der ersten Programmphase ebenso offen wie neu hinzukommenden Akteuren. Die Reihe "VivaMente!" wird forgesetzt.

Schule ist wie eine 8erBahn

Die 6a an der Gemeinschaftsschule Meldorf mit ihrer Klassenlehrerin Birte Knudsen

„Schule ist wie eine 8erBahn“ ist ein integratives Projekt der Medienpädagogik und Filmkunst. Inhaltlich sollte über einen längeren Zeitraum ein Bezug zur unmittelbaren Umgebung der Akteure spielerisch erarbeitet werden - dabei ist auch der Herstellungsaufwand technisch eingebettet in bekannte alltägliche Strukturen. Dies gelang durch die Wahl der Mittel: Trickfilme werden mit Hilfe der „Stop-Motion“-App auf den eigenen Smartphones bzw. den zur Verfügung gestellten I-Pads erstellt und bearbeitet. Die Geschichte dazu wurde der Erlebniswelt Schule entlehnt. Gemeinsam wurde das Thema in allen Facetten für den Film entwickelt, die Produktions-Crew wurde aufgeteilt von Regie über Schauspieler bis Beleuchter. Und das in Doppelbesetzungen, jeder machte mehrere Bereiche. Alle klassischen Bereiche einer professionellen Filmproduktion konnten aus dem Akteurskreis besetzt werden. Heraus kam ein "Roadmovie" durch den Schulkomplex, eine Achterbahnfahrt durch Klassen- und Fachräume, durch Mensa und Sporthalle - auch durch dunkle Flure. Es wird durch Wände und geschlossene Türen gefahren. Mal rattern die Akteure ins Nichts, wenig später kommen sie durch eine andere Wand wieder ins Bild. Mitfahrer gehen verloren und steigen wieder zu, ebenso „Gustav“ das Skelett aus dem Bioraum - einfach gruselig. Aber auch lustig. Der Schuldirektorin wird in der Rasanz eines D-Zugs in der Mensa das Essen vom Tablett gefegt, der Klassenlehrerin landet die Geburtstags-Sahnetorte im Gesicht. Slapstick pur in Ruckelbildern - wie zu den Anfängen der Filmgeschichte, als die Bilder Laufen lernten. Alles ist in Bewegung - Tempo, Tempo, die Achterbahn rattert ohne Pause. Auf und nieder geht es, geradeaus und im Kreis herum. Am Ende eine Fahrt ins große Buch (eine mannshohe Skulptur im Foyer), die Stühle der Achterbahn kommen auf der anderen Seite des Buchrückens wieder ins Bild - ohne Fahrgäste. Sie sind verschwunden, um zum Ausklang dieser Szene und des Films im Buch selbst dem Zuschauer aus einem Gruppenbild zuzuwinken und sich zu verabschieden. So haben sich die Akteure im großen Buch ihrer Schule "verewigt". Nach über 3.500 Bildern vorerst ein Ende der Achterbahnfahrt durch die Gemeinschaftsschule Meldorf. Alles zusammen gut dreieinhalb Minuten Fullspeed voll rasanter und lustiger Einfälle. Ein zweites Team erstellte den gesamten Produktionsprozess über ein gesondertes "Making Of" ihres Films. Das Ergebnis des Projekts sind zwei eigenständige Filme ganz unterschiedlicher Genres: Phantasiebilder und Realdokumentation. Dazu ergänzend eine Fülle an Tonmaterial für mehrere Radiosendungen. Die DVD erscheint im Dezember 2019.

Ein intergratives Medien- und Kunstspektakel

Wir haben Raum und Zeit ein Schnippchen geschlagen, indem die üblichen Beschränkungen des Alltags grundlegend aus den Fugen gerieten. Wir lassen geschehen, was uns gefällt. Unsere Rhythmik und Metrik  liegen in der Geschwindigkeit. Wir takten  ganz eigene Augenblicke, mit großer Lust am Tempo, das wir ausnahmslos selbst bestimmen. Es gibt keine wirklichen Hindernisse.  Phantasie und Humor sind da nur  zwei Gestaltungsmeister. Es ging rund in der Schule, ein ganz neuer Lernraum wurde durchquert, ohne Furcht und ohne Zwänge. Und wenn wir uns wirklich fürchten wollen dann schaffen wir uns den Raum dafür selbst. Es ist unsere Angst, vor der wir eben keine mehr haben wollen! Heraus kam eine Grusel- und Monster-Party mit viel Schminke, ganz viel Verkleidung und noch mehr „Gustav“- das ist das Schul-Skelett, mit feiner Angelschnüre und Licht in Bewegung versetzt. Wenn es allerdings doch zu arg wird, fahren wir einfach weiter. Einschränkungen gibt es nicht. Auch durch Wände fahren wir, wenn es sein muss, in Richtung Kunstraum, verfolgt von einer inhaltsschweren Schultafel. Doch auch diese wird spielend abgehängt in einer waghalsigen Schleudertour durch Räume und Flure direkt hinein in ein großes Ausstellungsbuch mit vielen Bildern aus der Schule. Unterdessen passiert allerdings noch allerlei Vergnügliches, bevor wir uns hier in diesem friedlichen Buch niederlassen. Jetzt fährt die 8erbahn erst einmal ohne uns weiter. Wir verbleiben alle zusammen in einem Bilderrahmen, aus dem uns wie wild noch einmal alle Akteure entgegen winken. Ein Riesenspaß - VivaMente ! StopMotion.

Projektverlauf Planung

Der Lernprozess

Ein Hauptdarsteller unter vielen: Gustav, das Skelett

Die besondere Herausforderung dieses Projekts war die Heterogenität der 20köpfigen Akteursgruppe. Schülerinnen und Schüler aus der Gemeinschaftsschule Meldorf mit und ohne Förderbedarf Seite an Seite mit Akteuren mit und ohne Gymnasialempfehlung. Motorisch eher ruhige Typen neben hyperaktiven TeilnehmerInnen. Die Schülerinnen und Schüler stammen mehrheitlich aus den Umlandgemeinden ländlicher Region. Der avisierte Lernprozess: Wir sind eine Gruppe, die in Gemeinschaft etwas ganz Neues erzeugt, etwas ganz Eigenes - außerhalb der gewohnten Realität in Schule und richtigem Leben. Kreativität pur, die in einem intensiven Umsetzungsprozess am Ende (nach über 3.500 Bildern) cineastisch anschaulich präsentiert ist. Die Schülerinnen und Schüler erleben hautnah ihre eigene Kreativität, veranschaulicht in einem Medienprodukt - ihrem eigenen und ganz persönlichen Trickfilm - die Außenansicht der ganz vielen Innenansichten aller Akteure. Zu keinem Zeitpunkt gab es Schwierigkeiten in Planung, Abstimmung und Realisation. Bemerkenswert die Ausdauer und Disziplin unter den TeilnehmerInnen, schließlich mussten - um die Achterbahn zum Fahren zu bringen - für jede Sekunde Film 12 Bilder "geschossen" werden. Jeder Schritt wurde untereinander bis ins Kleinste entwickelt und abgesprochen. Ganz schnell stellte sich ein intensives Gruppengefühl ein und das Verständnis, nur über das Wir zum gemeinsamen Medienprodukt zu erlangen. Die durchgängig positive Gruppendynamik funktionierte, die Schnelleren warteten auf die weniger Schnellen, alle stellten sich in den Dienst ihrer gemeinsamen Filmproduktion. Ein ganz tolles Gefühl für jeden, eine neue Selbstwirksamkeit cineastisch erleben zu können. Dazu ein neuer Umgang mit der zur Verfügung gestellten und eigenen digitalen Ausstattung (Smartphone, iPad). Mit diesen Dingern kann man tatsächlich kreativ was herstellen. Dazu ein komplettes mobiles Studio. Hier wurde die Schnitttechnik in Video- und Audiobereichen vermittelt. Teile der Postproduktion waren unmittelbar angeschlossen an die Dreheinheiten, an die Einheiten von Reflexion des Erlebten und Planung des Weiterführenden. So konnte sich durchgängig ein harmonischer Entwicklungsprozess für alle entwickeln. Am Schluss, der eigentliche Film war bereits im Kasten, stellen die Schülerinnen und Schüler jeder für sich und unaufgefordert immer noch kleine "Schnippsel" weiterer Trickfilmminiaturen her - als gäbe es kein Ende mehr.

 

 

Kreativität und Gestaltung

... an die Decke gehen und die Zeit anhalten ...

 

Für eine Woche durften meine Kollegin und ich uns auf eine medienpädagogische Erlebnisreise begeben, indem wir gemeinsam mit dem Kulturbahnhof Itzehoe und der Klasse 6a der GMS Meldorf einen Trickfilm drehten. Schon nach wenigen Minuten des ersten Tages wurde der hohe Aufforderungscharakter deutlich: alle SchülerInnen stürzten sich ins erste Projekt und machten sich hochmotiviert mit der App bekannt. Im Laufe der Woche lernte die 6a die unterschiedlichsten Aufgabenbereiche kennen, die für das Erstellen eines Trickfilms von Bedeutung waren. Schnell entstanden zahlreiche Ideen und Umsatzmöglichkeiten für das gewählte Thema „8erbahn durch die Schule“. Außerdem wurde den SchülerInnen beigebracht, mit Kamera und Mikrofon umzugehen, so dass auch das „Making Of“ von den Schülern selbst gestaltet wurde.

Besonders erfreulich war nicht nur das Ergebnis an sich, sondern die Tatsache, dass den SchülerInnen sehr viel Raum für eigene Gestaltungsmöglichkeiten gegeben und dass ihnen viel Vertrauen entgegengebracht wurde. Die Vorgaben waren gering und der Kreativität der SchülerInnen wurde freien Lauf gelassen. Es entstand eine großartige Gruppendynamik und ich als Lehrerin konnte die Klasse einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Die 6a und ich sind uns einig: die Projektwoche war ein voller Erfolg.

Birte Knudsen

Klassenlehrerin der 6a

 

Impressionen - wie alles in Bewegung kam

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